On Tribalism and Cosmopolitanism

Zwischen Stamm und Welt: Hannah Arendt über Zionismus, die Zukunft der Juden und Antisemitismus.

in Aufbau (2025)

Wie einst Diogenes der Zyniker bin ich ein Kosmopolit, ein Weltbürger. Das geht über einen Reisepass mit vielen Stempeln, über Wohnsitze und Freunde in alle möglichen Ländern und die Tatsache hinaus, dass ich mich als jüdischer New Yorker in einer Synagoge zu Hause fühle, Hochzeiten in Kirchen verschiedener Konfessionen besucht und den Ramadan in einer Moschee in Jerusalem gefeiert habe. Ich bin überaus an Bräuchen und Kulturen von Menschen interessiert, die anders sind als ich. Als Kosmopolit fühle ich mich überall zu Hause – was natürlich auch bedeuten kann, nirgendwo zu Hause zu sein.

Ich schätze auch meine Stammesbindungen sehr. Ich nehme meine besondere Identität und Staatsbürgerschaft ernst und würdige tief empfundene Bande. Ich bin New Yorker, Arendtianer, Jude, Mann und Amerikaner. Das macht mich keinesfalls zu einem Nationalisten im Sinne von George Orwells Definition einer «Gewohnheit, sich mit einer einzigen Nation oder anderen Einheit zu identifizieren, sie jenseits von Gut und Böse zu stellen und keine andere Pflicht als die Förderung ihrer Interessen anzuerkennen.» Ich bin vielmehr ein Patriot im Sinne Orwells und hege eine «Hingabe zu einem bestimmten Ort und einer bestimmten Lebensweise», die ich für eine der besten der Welt halte, ohne Anderen meine Lebensweise aufzwingen zu wollen.